Description
Hintergrund. Aggressionen durch Dritte, verstanden als Gewalt oder Belästigung durch Kund:innen, Klient:innen oder andere Leistungsempfänger:innen, stellen in personenbezogenen Dienstleistungsberufen ein erhebliches arbeits- und gesundheitsschutzrelevantes Problem dar. Obwohl frühere Studien gravierende Folgen für das Wohlbefinden von Beschäftigten, organisationale Prozesse und Personalbindung belegen, sind die bisherigen Befunde fragmentiert und weitgehend atheoretisch gerahmt. Insbesondere fehlt eine systematische Synthese personen- und kontextbezogener Antezedenzien über verschiedene Dienstleistungssettings hinweg, was sowohl die Theorieentwicklung als auch die Konzeption evidenzbasierter Präventionsstrategien erschwert.
Methode. Im Rahmen einer präregistrierten Meta-Analyse wurden empirische Studien systematisch in PubMed/Medline, CINAHL, EBSCO, Web of Science, Embase und ProQuest recherchiert. Von 17.564 identifizierten Datensätzen erfüllten 431 Studien mit 443 unabhängigen Stichproben die Einschlusskriterien. Berücksichtigt wurden Untersuchungen zu Aggressionen durch Dritte in personenbezogenen Dienstleistungen, die Zusammenhänge mit personen-, kontext- oder konsequenzbezogenen Variablen berichteten. Antezedenzien und Konsequenzen wurden systematisch kategorisiert, unterschiedliche Gewaltformen differenziert erfasst. Die Effektstärken werden mittels Random-Effects-Modellen aggregiert; die Analysen erfolgen in R. Auf dieser Grundlage wird ein integriertes theoretisches Modell spezifiziert und empirisch geprüft.
Ergebnisse. Erste Befunde weisen auf eine Vielzahl relevanter individueller und kontextueller Einflussfaktoren sowie auf substanzielle Heterogenität zwischen Studien, Berufsgruppen und Gewaltformen hin. Die laufenden Analysen quantifizieren die Robustheit und relative Bedeutung zentraler Antezedenzien und prüfen deren Zusammenwirken im Rahmen des theoretischen Modells.
Schlussfolgerung. Durch die systematische Integration der bestehenden Evidenz und die Prüfung eines umfassenden theoretischen Modells trägt diese Meta-Analyse wesentlich zu einem vertieften, theoriegeleiteten Verständnis von Aggressionen durch Dritte in personenbezogenen Dienstleistungen bei. Sie schafft eine fundierte Grundlage für evidenzbasierte Präventionsmaßnahmen und eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung.