Description
Personen, die zum LGBTQIA+-Spektrum gehören (d. h. queere Personen), erleben bei der Arbeitssuche und am Arbeitsplatz häufig Diskriminierung. Daher überlegen queere Personen möglicherweise sorgfältig, ob sie ihre Identität offenlegen sollen. Gleichzeitig steigert authentisches Verhalten das Wohlbefinden und das Engagement am Arbeitsplatz. Qualitative Studien zeigen, dass Pronomen für den Ausdruck der eigenen Geschlechtsidentität wichtig sein können. Zusätzlich fühlen queere Personen sich oft wohler, ihre Pronomen offenzulegen, wenn andere dies ebenfalls tun. Allerdings mangelt es an experimentellen Untersuchungen zu den Effekten der Offenlegung von Pronomen auf das Erleben queerer Personen. Diese präregistrierte Studie untersuchte daher experimentell die Auswirkungen der Offenlegung von Pronomen durch die Interviewerin während eines Vorstellungsgesprächs. Wir erwarteten, dass die Offenlegung von Pronomen die Identitätssicherheit queerer Bewerberinnen während des Vorstellungsgesprächs erhöht, was wiederum ihre erwartete Authentizität am Arbeitsplatz steigern soll. Wir rekrutierten N = 160 queere Erwachsene für ein Online-Experiment auf Deutsch und baten sie, sich vorzustellen, sie seien zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Wir teilten die Teilnehmerinnen randomisiert zu zwei Gruppen zu, die sich ein 1-minütiges Video ansahen, in dem die weibliche Interviewerin ihre Pronomen entweder als „sie/ihr” angab (Experimentalbedingung) oder ihre Pronomen nicht angab (Kontrollbedingung). Die Ergebnisse zeigten, dass Personen in der Experimentalbedingung eine höhere Identitätssicherheit und dadurch auch eine höhere erwartete Authentizität am Arbeitsplatz angaben. Trotz Einschränkungen wie dem hypothetischen Charakter des simulierten Online-Szenarios und der Fokussierung auf kurzfristige Effekte leistet diese Studie einen Beitrag zur aufkommenden Literatur über die Erfahrungen queerer Personen am Arbeitsplatz.