Description
Der Anteil unter Ärzt*innen in Europa liegt bei etwa 50 %. Trotz dieser numerischen Präsenz sind Frauen in Führungs- und klinischen Entscheidungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Gleichzeitig weisen empirische Befunde darauf hin, dass die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen mit einer patientenzentrierteren und geschlechtersensibleren Versorgung sowie günstigeren Behandlungsergebnissen assoziiert ist.
Entscheidend für eine effektive Teamfunktion ist das Ausmaß an Employee Voice, da das freiwillige Ansprechen von Themen oder Verbesserungsvorschlägen den Informationsaustausch und die Patientensicherheit erhöht sowie Entscheidungsprozesse verbessert.
Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein strukturelles Paradox: Obwohl Frauen substanzielle Beiträge zur Qualität der Gesundheitsversorgung leisten, erhöht ihre anhaltende Unterrepräsentation in Führungspositionen die Wahrscheinlichkeit von Token-Positionen in Entscheidungsteams. Zugleich zeigt die klassische Forschung zu Tokenism, dass solche Positionen häufig mit verzerrten Bewertungen seitens der Mehrheitsgruppe einhergehen, wobei bislang unklar bleibt, ob stereotypbasierte Dynamiken auch intrapersonal wirksam sind.
Aufbauend auf der Stereotype-Threat-Forschung untersucht die vorliegende experimentelle Studie diesen Zusammenhang in einem Between-Subjects-Design mit einer Stichprobe von Ärztinnen. Als Stimulus dient eine videobasierte Fallvignette, die eine Diskussion zur Einführung einer Checkliste zur Patientensicherheit in einem rein männlichen oder gemischtgeschlechtlichen Team simuliert.
Es wird angenommen, dass Ärztinnen in rein männlich besetzten Teams geringere Voice-Intentionen berichten als in gemischtgeschlechtlichen Teams, vermittelt durch erhöhten Stereotype Threat. Zudem wird erwartet, dass Beiträge unter Token-Bedingungen vorsichtiger und weniger direkt formuliert sind.
Die Studie leistet einen Beitrag zur Voice- und Tokenismusforschung, indem sie stereotypebedingte intrapersonale Prozesse als Hemmnisse von Voice in einem patientensicherheitskritischen medizinischen Kontext untersucht; die Datenerhebung läuft derzeit