Description
Mit der zunehmenden Betonung von Flexibilität, Autonomie und Mitarbeitendenentwicklung steigen die Anforderungen an Beschäftigte, Eigeninitiative zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Proaktives Arbeitsverhalten bezeichnet selbstinitiierte, zukunftsorientierte Verhaltensweisen zur positiven Veränderung der eigenen Person oder des Arbeitsumfelds. Bislang war unklar, welche Bedeutung proaktives Arbeitsverhalten für das Wohlbefinden von Beschäftigten über längere Zeit hat. Aufbauend auf einer vorangehenden Meta-Analyse untersucht die vorliegende Studie die reziproken längsschnittlichen Beziehungen zwischen proaktivem Arbeitsverhalten und Wohlbefinden. Das Dual-Pathway-Modell der Proaktivität bildet den theoretischen Bezugsrahmen der Studie. Es geht davon aus, dass proaktives Arbeitsverhalten einerseits ressourcenaufbauend und energetisierend, andererseits aber auch belastend und ermüdend wirken kann. Umgekehrt kann das Wohlbefinden von Beschäftigten beeinflussen, in welchem Ausmaß sie später proaktives Arbeitsverhalten zeigen. Zur Untersuchung dieser Dynamiken werden zwei Paneldatensätze mit sechs bzw. 19 Messzeitpunkten analysiert, die in dreimonatigen (Studie 1) bzw. monatlichen Abständen (Studie 2) erhoben wurden. Über beide Studien hinweg wird ein vergleichbares Variablenset herangezogen, in dem proaktives Arbeitsverhalten durch Eigeninitiative bzw. proaktives Verhalten bei der Aufgabenerfüllung und subjektives Wohlbefinden durch positiven Affekt, negativen Affekt und Arbeitszufriedenheit erfasst wird. Die konzeptuelle Vergleichbarkeit beider Proaktivitäts-Indikatoren wird zuvor in einer separaten Kurzbefragung mit etwa 50 Teilnehmenden überprüft. Zusätzlich werden soziale Unterstützung und zentrale Selbstbewertungen als Moderatoren berücksichtigt. Die Analysen erfolgen mithilfe von Random Intercept Cross-Lagged Panel Modellen, um reziproke Effekte über die Zeit zu prüfen. Die Studie trägt dazu bei, die bislang überwiegend querschnittliche Forschung um eine dynamische Perspektive zu erweitern und besser zu verstehen, ob Wohlbefinden eher Folge, Voraussetzung oder beides zugleich für proaktives Arbeitsverhalten ist.