Description
Neurodiversität rückt im Arbeitskontext zunehmend in den Fokus, da neurodivergente Personen, etwa mit Aufmerksamkeitsdefizit‑Hyperaktivitätsstörung, Autismus‑Spektrum‑Ausprägungen oder Hochsensibilität, einen relevanten Anteil der Erwerbsbevölkerung ausmachen. Schätzungen gehen von 15–30 % neurodivergenter Menschen in der Gesamtbevölkerung aus. Trotz dieser hohen Prävalenz bleibt ihre berufliche Teilhabe jedoch häufig durch Passungsprobleme, unzureichende organisationale Strukturen und stereotype Annahmen eingeschränkt. Gleichzeitig steigt der Druck auf Organisationen, diversitätssensible und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Die Präsentation stellt die Ergebnisse eines systematischen Reviews zur bestehenden Forschung zu Neurodivergenz im Arbeitskontext vor. Das Review umfasst mehrere internationale Datenbanken, berücksichtigt Studien aus dem letzten Jahrzehnt und ermöglicht damit einen umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Die Analyse zeigt deutliche konzeptionelle und methodische Lücken, insbesondere hinsichtlich theoretischer Modelle, operationalisierter Konstrukte und der Berücksichtigung von Kontextfaktoren. Auffällig ist zudem, dass viele Studien Neurodivergenz primär als individuelle Eigenschaft behandeln, während organisationale Bedingungen, Passungsprozesse und Wechselwirkungen zwischen Person und Umwelt nur selten systematisch einbezogen werden. Ebenso fehlen konsistente Definitionen und valide Messinstrumente, was die Vergleichbarkeit und praktische Anwendbarkeit der Befunde erheblich erschwert.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wird ein erweitertes Rahmenmodell vorgestellt, das bestehende theoretische Ansätze aus der Neurodiversitätsforschung, der Arbeitspsychologie und den Organisationswissenschaften integriert und für den organisationalen Kontext weiterentwickelt. Das Modell ermöglicht es, neurodivergenzbezogene Herausforderungen und Ressourcen systematisch zu analysieren und sowohl individuelle als auch strukturelle Einflussfaktoren sichtbar zu machen. Ziel der Forschung ist es, wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Gestaltung neurodiversfreundlicher Arbeitsumgebungen zu schaffen und damit die Teilhabe neurodivergenter Personen nachhaltig zu fördern.