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Description
Das Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung und empirische Testung eines formalen Modells der Reaktivität und Erholung bei der Arbeit. Im Detail beschreiben wir den Reaktivitäts- und Erholungsprozess als die Veränderung psychophysiologischer Aktivierung über die Zeit hinweg. Diese Aktivierung beginnt bei einer bestimmten Baseline, steigt bei der Begegnung mit Stressoren an (= Reaktivität), und sinkt ab, sobald die Stressoren verschwinden (= Erholung). Ob nun diese Erholung ausreichend war oder nicht, lässt sich durch den Vergleich mit der Baseline quantifizieren. Durch diese Quantifizierung, ob Erholung ausreichend war, lässt sich mangelhafte Erholung über die Zeit verfolgen und mittel- bis langfristige Veränderungen im allgemeinen Gesundheitszustand und Wohlbefinden vorhersagen.
In zwei empirischen Studien überprüfen wir die Annahmen unseres Modells. In der ersten Studie sind Versuchspersonen den Trier Social Stress Test (TSST) durchlaufen, während ihre Herzrate gemessen wurde. Hier überprüfen wir die Validität des Modells bei der Begegnung mit einem standardisierten, kontrollierten Stressor. In einer zweiten Studie, basierend auf öffentlich zugänglichen kontinuierlichen Herzratenmessungen von Krankenhauspersonal über zehn Wochen, überprüfen wir die Validität des Modells im Feld und sagen mittelfristige Veränderungen vorher.
Unser Ansatz trägt dazu bei, Reaktivität und Erholung nicht als getrennte Konstrukte, sondern als zwei Prozesse desselben Phänomens zu betrachten und dadurch genauer zu beschreiben. Darüber hinaus verbinden wir das episodische Erleben und Verhalten von Personen bei der Arbeit mit mittel- und langfristigen Veränderungen in deren Gesundheit und Wohlbefinden.